WICKED - DIE HEXEN VON OZ: Tickets hier!

Es tut sich etwas im Lande OZ – Möglicher Musicalhit „WICKED“ stellte Ende August seine Hauptdarsteller der breiten Öffentlichkeit vor.

Artikel aus der Da Capo, Ausgabe 33

Im Musical „WICKED“ wird von der tiefen Freundschaft zweier starker Frauen erzählt, die auf den ersten Blick wohl unterschiedlicher nicht hätten sein können. Die eine, Elphaba, wurde geboren mit grüner Hautfarbe wird seither von der Bevölkerung als Außenseiterin behandelt. Die Bewohner von OZ fürchten sich vor ihr und ihre „seltsamen“ Fähigkeiten. Die einzigen Bezugspersonen sind ihre Eltern und ihre Schwester Nessarose, die allerdings seit ihrer Kindheit an einen Rollstuhl gefesselt ist. Allerdings schlummern in der selbstbewussten jungen Frau auch gewaltige Kräfte, sie verfügt über große übernatürliche Zauberkräfte, die sie allerdings nicht beherrschen kann. Im krassen Gegensatz zu ihr selbst, trifft sie auf Glinda, einer schönen jungen Frau, die überall im Lande beliebt und begehrt ist. Sie hat ebenfalls große Ambitionen die Kunst der Zauberei zu erlernen, allerdings fehlt ihr das nötige Talent dazu.
Nun mag man sich fragen, ob solch unterschiedliche Persönlichkeiten jemals wahre Freundinnen werden könnten. Ohne dabei zu viel Vorweg nehmen zu wollen, lautet die Antwort auf diese Frage ganz klar, ja.
Doch ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, die ausgelöst wird vom Zauberer von Oz, der Herrscher des kleinen und friedlichen Landes. Hinter der Fassade des freundlichen und väterlichen Herrschers, verfolgt er heimlich seine eigenen Pläne und Elphaba spielt darin eine entscheidende Rolle.
Als diese sich weigert ihm zu helfen muss sie, durch Verrat und eine gezielte Verleumdungskampagne aus der smaragdgrünen Stadt fliehen und wird von der gesamten Bevölkerung als „Böse Hexe des Westens“ gejagt, während Glinda, als die gute Hexe und neuer Liebling der Bewohner, gefeiert wird. Es kommt zur unvermeidlichen Auseinandersetzung der beiden Hexen und zur Auflösung der Frage, wer ist gut und wer ist Böse im Lande von OZ.

Die Charaktere dürften dem einen oder dem anderen sehr bekannt vorkommen. Bei „WICKED“ handelt es sich praktisch um die Vorgeschichte zum „Zauberer von OZ“, 1900 erdacht von Lyman Frank Baum und 1939 sehr erfolgreich auf die Leinwand gebracht mit der bezaubernden Judy Garland, in der Rolle der liebenswerte Dorothy aus Kansas. Der Film wurde mit drei Oscars ausgezeichnet und gilt als einer der gekanntesten Filme in den USA. Der Songs „Somewhere over the rainbow“ erlangte Weltruhm und ist auch heutzutage noch in aller Munde.
„WICKED“ beleuchtet die Zeit vor dem Eintreffen der kleinen Dorothy und während sie ihre Abenteuer im Lande OZ bestehen muss. Die im Film strikt schwarz/weiß inszenierten Charaktere von der „Bösen Hexe des Westens“ und der gute Hexe Glinda wurden im Musical ganz neu Interpretiert und sehr viel facettenreicher dargestellt.
Wie im Film trifft man aber auch bei „WICKED“ auf bekannten Figuren, wie die Vogelscheuche, dem ängstlichen Löwen und dem Blechmann, dessen sehnlichster Wunsch es ist ein Herz zu bekommen. In Deutschland ist der „Zauberer von Oz“ zwar lange nicht so bekannt wie in den USA oder in Großbritannien, aber um „WICKED“ komplett zu verstehen ist es auch nicht zwingend notwendig das Buch oder den Film zu kennen. Lediglich einige kleinere Andeutungen könnten dem Zuschauer entgehen, was aber absolut nicht ins Gewicht fällt. „WICKED“ kann man mit fug und recht als absolute Großproduktion bezeichnen. Geboten wird eine Kostüm- und Ausstattungsschlacht, die in diesem Jahr ihres gleichen suchen wird. Das handgefertigte Bühnenbild wird bereits seit April in Kanada, USA und Hamburg sehr aufwendig und mit Liebe zum Detail hergestellt.
Und dem deutschen Zuschauer soll eine noch imposantere Show als in Übersee geboten werden, denn in Stuttgart soll das Bühnenbild auch im Zuschauerraum eine größere Rolle spielen. Das Theater wird außerdem noch eine neue Bestuhlung erhalten und damit nach der umfangreichen Renovierung im neuen Glanz erstrahlen. Alle Kostüme werden, wie immer, handgefertigt und sehr aufwändig hergestellt. Kein Kostüm ähnelt dabei dem anderen und Unmengen von grünem Stoff müssen bis zur ersten Preview am 31. Oktober noch verarbeitet werden.
Die Musik zu diesem zauberhaften Musical stammt von Stephen Schwarz, der nicht nur mit seinen bisherigen Musicals „Godspell“, „Pippin“ oder „Children of Eden“ für Furore sorgte, sondern auch mit wundervollen Songs für einige der schönsten Musical Zeichentrickfilme, wie „Pocahontas“, „Der Glöckner von Notre Dame“ und „Der Prinz aus Ägypten“. Mit „WICKED“ schuf er sein vorläufiges Meisterwerk. Mit eingängigen Melodien, tollen Texten und einem der wohl großartigsten Musicalsongs überhaupt, „Defying Gravity“ („Frei und schwerelos“ auf der Best of Musical Tour 2007) konnte er das Publikum im Handumdrehen verzaubern.

Es wundert daher nicht, dass „WICKED“ in Amerika und London in kürzester Zeit zum wahren Publikumsmagneten avancierte und damit für volle Kassen sorgte. Die Show brach alle Rekorde und macht sich nun nach drei Spielorten in den USA, einer umfangreichen Tour, und dem Westend nun auf, die Welt zu erobern. Außer Deutschland wird es auch Produktionen in Japan und Melbourne geben.

Es bleibt abzuwarten ob die Hexen von Oz auch das deutsche Publikum in ihren Bann ziehen können. Dafür sprechen neben den vielen Auszeichnungen und der Erfolg an den beiden meistumworbenen Musicalstandorten der Welt ein ungewöhnliches Phänomen, was für diese Branche eher seltener zu beobachten ist. Weder in den USA noch in Englang konnte „WICKED“ durch rekordverdächtige Vorverkaufszahlen aufwarten. Der Erfolg und die Zuschauer kamen erst nach der Premiere so richtig auf den Geschmack. Verstärkte Präsenz in den Medien und eine positive Mundpropaganda waren der Schlüssel zum Erfolg. Wenn die Show mit derselben Liebe und dem gleichen Aufwand letztendlich auch auf die deutsche Bühne gebracht werden kann, steht uns eine der vielversprechendsten Shows der letzten Jahre in Haus.

Text: Gilbert Blüm